• Testbericht Synology DS212

    Heute berichten wir über die Synology Diskstation DS212. Es handelt sich hier um ein NAS mit 2 Festplatteneinschüben das freundlicherweise von der Firma Synology für diesen Test zur Verfügung gestellt wurde.


    VORWORT


    Dieser kleine Bericht ist ein Test der Synology DiskStation DS212.

    Dies ist meine erste Begegnung mit einem Fertig-NAS, da ich mich persönlich ausschließlich mit Geräten auf Basis von PC-Hardware beschäftige. Insofern kann dieser kleine Test als erste Begegnung eines Laien mit diesem System betrachtet werden. Ferner wird hier die Einrichtung und Nutzung ausschließlich unter Linux getestet, da in meinem Bereich nur Debian/GNU Linux und FreeBSD zum Einsatz kommt.

    Als Test der Benutzerfreundlichkeit und Prüfung wie selbsterklärend die Einrichtung und Nutzung des Gerätes ist, wird ebenfalls versucht möglichst ohne Studium der 22-seitigen Schnellstart-Anleitung oder des 181 Seiten umfassenden Benutzerhandbuches zu einem Ergebnis zu kommen. In der Praxis verzichtet ein Großteil aller Benutzer auf diese Hilfsmittel, sei es aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen.


    ERSTER KONTAKT

    In der Verpackung befindet sich neben dem Gerät an sich ein Zubehörkarton. Dieser beinhaltet das Netzteil, ein Netzkabel, ein Cat5e Netzwerkkabel, eine Installations-CD und ein Beutel mit den Schrauben zur Festplattenbefestigung in den Schlitten. Im Gegensatz zu manchen anderen Geräten konnte keine nennenswerte Geruchsbelästigung bemerkt werden, auch im Betrieb nicht. Leider handelt es sich nicht um ein Steckernetzteil das in einer Steckdosenleiste Aufnahme findet und das NAS mittels eines schlanken Kabel mit Strom versorgt, sondern es liegt in der Mitte der Versorgungsleitung ein neuer großer Klotz unter dem Schreibtisch.

    Beim Entnehmen des NAS aus dem Karton überrascht das geringe Gewicht. Näheres Betrachten bringt einige clevere Details zum Vorschein. Der Zugang zu den Festplatten erfolgt ohne Werkzeug von vorne. Die Abdeckung ist mittels vier Gummipuffern nur in das Hauptgerät gesteckt and kann somit nicht klappern. Die beiden Festplattenschlitten aus Kunststoff lassen sich nach Entriegelung einfach herausziehen. Das Befestigen der Festplatten erfolgt durch die beiliegenden Schrauben die in Gummilagern ein Übertragen von Schwingungen auf das Gerät verhindern. Eine Falschmontage der SATA Festplatten ist mechanisch nicht möglich.

    Die seitlichen "Synology" Schriftzüge sind perforiert, gemeinsam mit den großzügigen Lufteinlässen vorne ermöglicht dies eine optimale Durchlüftung der Festplatten und auch der Elektronik durch den nach hinten ausblasenden Lüfter. Dieser ist ausgesprochen leise und verglichen mit der montierten Festplatte nicht hörbar.

    Bilder:







    LOS GEHT ES

    Nach Montage der Festplatte, Anschluss des Netzteils und des Netzwerkkabels wird das Gerät eingeschaltet. Vier Leuchten signalisieren den Status des Gerätes, des Netzwerkes, der ersten und der zweiten Festplatte. Mangels freier Platten erfolgt hier lediglich der Test mit einer einzelnen 1TB Festplatte.

    Dem Gerät wird Zeit gegeben zu starten. In der Grundeinstellung bezieht das NAS seine Netzwerkadresse per DHCP, dies ist Standard und normalerweise hat jeder Haushalt mit einem Router dies automatisch aktiviert. Ein Blick auf die Benutzeroberfläche des Routers zeigt an, dass erfolgreich eine IP Adresse vergeben wurde.

    Ein beherzte Eingabe dieser Adresse in den Webbrowser führt leider nur zu einer Fehlermeldung Seite nicht gefunden. Ein Abklopfen des NAS mittels eines Portscanners bezeugt, dass in diesem Zustand noch kein Zugriff auf das NAS per Webbrowser möglich ist. Bequemlichkeit zahlt sich nicht immer aus, somit erfolgt hier der erste Einblick in die Schnell-Installationsanleitung.

    Das Betriebssystem "Disk-Station-Manager" (DSM) scheint offenbar nicht vorinstalliert zu sein und ohne geht es nicht. Wie zuvor bereits erwähnt überspringen wir die Installation mittels Windows und laden von der Synology Webseite das passende Linux Paket des "Synology Assistant" herunter. Das Auspacken das ZIP Archives und das Anschließende Entpacken des tar.gz Files führen einen zu einer install.sh Datei, diese startet eine grafische Anwendung. Es wird das lokale Netzwerk durchsucht, die DS212 als Gerät erkannt und als "nicht installiert" gekennzeichnet. Die Beschreibung "Nicht installiert" ist in diesem Moment etwas irreführend, schließlich erwartet man nicht, ein NAS bei einem PC installieren zu müssen.

    Als Installation wird hier das Installieren des Betriebssystems auf dem NAS verstanden. Beim Drücken von "Installieren" öffnet sich ein Fenster dass den Pfad zu einer Installationsdatei verlangt. Durchsuchen der Verzeichnisstruktur fand nichts, also musste wieder das Handbuch herhalten. Die Datei befindet sich offenbar auf der Installations-CD. Ohne optische Laufwerke, die heutzutage nicht immer selbstverständlich in jedem Rechner verbaut sind, kann dies zu einer unangenehmen Situation führen. Ein externes USB-CDROM Laufwerk hat die CD nicht lesen können, das muss im Jahr 2012 doch auch irgendwie anders gehen als mit Silberlingen zu hantieren, Ehrgeiz geweckt...

    Ein Betriebssystem für ein NAS unterliegt stetigen Änderungen und Verbesserungen, daher erfolgt jetzt wieder auf gut Glück ein Besuch der Synology Webseite. Laut der Abbildung in der Installationsanleitung muss es sich um eine Datei handeln, die mit ".pat" endet, also auf die Suche danach. Ein Unterpunkt im Downloadbereich heißt "Firmware-Patch", die Beschreibung lautet "Neue Aktualisierungen für Anwendungen", kann es also eigentlich nicht sein, schließlich ist ein Patch nur ein kleiner Flicken zum Ausbessern von Fehlern. Allerdings passt die Dateiendung, also mal einen Download gestartet. Zur Überraschung handelt es sich um eine etwa 170MB große Datei, scheint also doch richtig zu sein.

    Nach dem Download geht es wieder zurück zum Installationsassistenten, Verweis auf die Datei und die Installation startet.

    Unter Einrichtung des Netzwerks kann von automatischer Vergabe der IP Adresse auf eine feste IP Adresse gewechselt werden, für einen Datenspeicher im Netz durchaus sinnvoll. Als cleveres Detail sei hier vermerkt, dass nach Vergabe der festen IP Adresse sofort vom NAS geprüft wird, ob diese im lokalen Netzwerk bereits vergeben ist, was keinesfalls vorkommen darf und zu interessantesten Effekten führt. Auch ein Passwort für den Zugriff per Webbrowser wird individuell vergeben.

    Den vorgegebenen Haken bei der Frage "Nach der Installation ein Synology Hybrid RAID (SHR)-Volume erstellen" wird von mir deaktiviert, da nur eine Platte verbaut wurde.
    Ein Besuch der Hersteller Webseite bringt die Erkenntnis, dass durch die Hybrid-Raid Technologie mehrere unterschiedlich große Festplatten zusammengeschaltet werden können und trotzdem ein Schutz bei Festplattenausfall gegeben sein soll.

    Etwa 10 Minuten und einen Neustart des NAS später ist die Installation beendet und voller Erwartung gebe ich die Adresse in den Webbrowser ein, erfolgreich zeigt sich jetzt die Anmeldemaske.


    BENUTZUNG

    Sinn und Zweck eines NAS ist die Speicherung von Daten. Also legen wir los.

    Nach erfolgreichem Einloggen erkennt das NAS automatisch, dass noch keine Festplattenspeicher eingerichtet wurde, es wird gefragt ob ein Volumen erstellt werden soll. Das Bestätigen dieser Frage startet eine vollständige Festplattenprüfung und Formatierung. Die Initialisierung der verbauten 1 Terabyte Testplatte vom Typ Western-Digital WD1002FAEX hat nach 2 1/2 Stunden einen Status von 70%, somit kann man diesen Vorgang bei der maximalen Ausbaustufe mit 2 Festplatten a 3TB beruhigt über Nacht laufen lassen.

    Über den Button "Systemsteuerung" der Weboberfläche kommt man zum Bereich wo Benutzer und Dienste konfiguriert werden. Der Name Systemsteuerung wurde gewiss mit einem bestimmten Grund so gewählt.

    Bild:


    Beginnen wir mit der Einrichtung eines Benutzers, über den Button Benutzer und dem Reiter "Erstellen" ist dies schnell und unkompliziert erledigt. Gruppen lassen sich ebenfalls so einfach erstellen oder ändern.

    Danach werden die verschiedenen Dienste für den Dateitransfer aktiviert, im Reiter "Win/Mac/NFS" lassen sich die Dienste für Windows, Mac und unixartige Betriebssysteme wie Linux oder BSD aktivieren, auch der Name der Windows Arbeitsgruppe wird hier festgelegt.

    FTP wird über den Button "FTP" ebenfalls aktiviert. Trotz der heutzutage unzureichenden Sicherheit, da alle Daten unverschlüsselt übertragen werden, hat dieses Protokoll immer noch seine Daseinsberechtigung. Für jedes Betriebssystem, auch die exotischsten gibt es einen FTP-Client. Bei unkritischen Daten ist dieses Protokoll auf Grund seines geringen Protokollüberhang immer noch perfekt für einfache und schnelle Transfers.

    Mir persönlich wichtig ist noch die Versorgung der vorhandenen Netzwerk Medienplayer. Den uPnP Server sucht man vergeblich, er muss per Paketverwaltung manuell nachinstalliert werden. Ein paar Mausklicks später ist dies erfolgreich vollendet. Ein kleiner Test mittels Netzwerk-Medienplayer bestätigt die Funktionalität des uPnP Servers.

    Bild:


    Außerdem werden WebDAV und diverse Webdienste im Bereich Systemsteuerung eingerichtet, mangels entsprechender Endgeräte entfällt hier ein tiefer gehender Test.


    NEED FOR SPEED

    Was die meisten Anwender neben geringem Stromverbrauch und großer Funktionsvielfalt sicher am meisten interessiert, ist die Übertragungsgeschwindigkeit.

    Der erste Test erfolgt in einem 100mbit Netzwerk, Client Rechner ist ein Squeeze Debian/GNU Linux auf einem AMD Athlon-X2 3800. Die körperliche Verbindung zum NAS erfolgt über einen Netgear Switch Typ FS108, Verkabelung per Draka CAT5e Patchkabel mit Hirose TM21 Stecker.

    Es ergeben sich beim Transfer folgende Geschwindigkeiten:

    Drei 5GB große ISO Dateien
    Schreiben Lesen
    Samba CIFS/SMB 8,7 MB/s 8,5 MB/s
    NFS 11,5 MB/s 11,4 MB/s
    FTP (Client gFTP) 11,5 MB/s 11,3 MB/s



    Ein 1,6GB großes Verzeichnis mit etwa 400 mp3 Dateien
    Schreiben Lesen
    Samba CIFS/SMB 8,5 MB/s 8,3 MB/s
    NFS 9,4 MB/s 10,9 MB/s
    FTP (Client gFTP) 9,8 MB/s 10,5 MB/s



    Der zweite Test erfolgt in einem 1 gigabit Netzwerk, Client Rechner ist ein Squeeze Debian/GNU Linux auf einem AMD Athlon64-3400 mit einer WD-Raptor als Datenspeicher. Die körperliche Verbindung zum NAS erfolgt über einen Netger Switch Typ GS524, Verkabelung wieder per Draka CAT5e Patchkabel mit Hirose TM21 Stecker.

    Es ergeben sich beim Transfer folgende Geschwindigkeiten:

    Drei 5GB große ISO Dateien
    Schreiben Lesen
    Samba CIFS/SMB 20,8 MB/s 22,9 MB/s
    NFS 32,7 MB/s 41,4 MB/s
    FTP (Client gFTP) 34,0 MB/s 34,6 MB/s


    Ein 1,6GB großes Verzeichnis mit etwa 400 mp3 Dateien
    Schreiben Lesen
    Samba CIFS/SMB 18,5 MB/s 20,4 MB/s
    NFS 30,1 MB/s 30,3 MB/s
    FTP (Client gFTP) 27,3 MB/s 35,7 MB/s


    Sehr positiv zu bemerken ist, dass die Übertragung unter Nutzung aller drei Protokolle absolut stabil und kontinuierlich verlief, es kam zu keinen Einbrüchen oder ähnlichen Effekten. Es wurden weder auf dem NAS, noch auf dem Client PC irgendwelchen Tuningmaßnahmen ergriffen, alle Einstellungen sind Standard.

    Bei der Problematik Übertragungsgeschwindigkeit wird oftmals vergessen, dass hier sehr viele Faktoren eine Rolle spielen und sich mehrere negative Faktoren durchaus Potenzieren können. Mehrere aktivierte Virenscanner die sich gegenseitig ausbremsen, schlechte Kabel, minderwertige Switche oder All-in-one Geräte, dazu wackelige Netzwerkkarten und schlechte Treiber reißen die Übertragung durchaus in den Keller ohne dass das NAS hier etwas für kann.


    Ohne Moos nichts los

    Die Strompreise haben einen Stand erreicht, wo so manche Energiefresser ein großes Loch in die Haushaltskasse reißen können. Bei einem Gerät dieser Klasse dass durchaus 24/7 laufen soll ist dies schon ein wichtiger Punkt.

    Mit einer einzelnen verbauten WD-Black 1TB Platte verbraucht das Gerät im Leerlauf 14 Watt, beim Lesen 16,0 Watt und beim Schreiben 16,7 Watt. Diese Werte können sich sehen lassen.


    FAZIT

    Wer die ersten Hürden der Installation erfolgreich gemeistert hat bekommt hier ein Gerät mit einer sehr großen Funktionsvielfalt und trotz der geringen Leistungsaufnahme hohen und störungsfreien Transfergeschwindigkeit. Insbesondere dass hier ein 100mbit Netzwerk beinahe bis an die Grenze ausgelastet werden kann, ist überraschend wenn man die Leistungsdaten des Gerätes mit regulärer PC-Hardware vergleicht.

    Die Nutzung der Weboberfläche ist nicht 100% intuitiv, jedoch findet man die gesuchten Funktionen. Etwas nervig war lediglich die ständig aufpoppende Mahnung, doch die neueste JAVA Laufzeitumgebung zu installieren, dies hat allerdings keinen Einfluss auf die Funktion.

    Das Erweitern der Funktionen per Paketverwaltung hat den Vorteil nur das auf dem NAS zu installieren was man wirklich benötigt und sich somit weniger potenzielle Angriffsmöglichkeiten auf das NAS schafft. Gerade beim Offenlegen seiner Daten ins Internet sollte man dies nicht unterschätzen.

    Negativ diese Zusatzfunktionen als Paket auszulagern ist die theoretische Möglichkeit, dass sich der Anbieter eines Tages entschließen könnte diesen Service nicht mehr anzubieten und auf den Kauf eines neuen NAS verweist. Wie viele Hardwaregeräte sind im Zuge der Zeit nicht mehr nutzbar, nur weil es keine aktualisierten Treiber mehr von den Anbietern gibt. Ob es soweit kommt steht natürlich in den Sternen, theoretisch möglich ist es zumindest.

    Das schicke aber nicht aufdringliche ordentlich verarbeitete Gehäuse, der geringe Stromverbrauch und pfiffige Details wie die durchdachte Durchlüftung runden das Gesamtergebnis positiv auf.

    Wer ein kleines NAS mit 2 Festplatten Aufnahmen sucht und Zusatzfunktionen wie Anbindung an Webspeicher benötigt kann hier nichts verkehrt machen.


    Shakky4711

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    Ursprünglich wurde dieser Artikel in diesem Thema veröffentlicht: DS 212 - Erstellt von: shakky4711 Original-Beitrag anzeigen