• Fertiggerät oder Selbstbau-NAS – Wie soll ich mich entscheiden?

    Am Anfang steht man vor der Qual der Wahl. Was kommt den eigenen Bedürfnissen und Erwartungen am ehesten entgegen?

    Ein Fertig-Gerät, ein kompletter Selbstbau oder aber doch ein goldener Mittelweg?
    Marke A oder Marke B?
    Klein anfangen und später erweitern oder aber gleich das ganz große Gerät?
    Welche CPU-Leistung ist erforderlich?
    Welche RAM- Ausstattung brauche ich?
    Mit welcher Geschwindigkeit sollen / müssen die Daten im Netzwerk übertragen werden?
    Wie wichtig / vertraulich sind die Daten?
    Wie so oft bestimmt das Ziel den Weg und man kommt mitunter durch das Ausschlussverfahren zu einem Ergebnis. Dieses kleine Tutorial kann nicht alle Fragen beantworten oder wird fertige Lösungen bieten, aber hoffentlich wird es die eine oder andere Hilfe bieten können.

    Die obligatorische Anfrage im Forum lautet in aller Regel „Ich suche ein NAS, es muss natürlich superschnell sein und mein Gigabit Netzwerk auslasten, muss alles können, darf nicht viel Strom verbrauchen und soll natürlich nichts kosten. Selbstverständliche muss ich von überall auf dem ganzen Planeten auf meine Daten kommen, Filme hin- und herstreamen und alles muss sicher sein“...

    Wer kennt ihn nicht, den Spruch „You get what you pay for“, übersetzt „Du bekommst was Du bezahlst“. Ein NAS ist immer ein Kompromiss. So wenig wie es ein einziges perfektes Auto gibt, das alle glücklich macht, so wenig wird es „DAS EINE NAS“ geben, das jeden zufriedenstellt und jede Anforderung erfüllt.

    Somit lautet die Analogie zu der NAS-Anfrage für das Auto: „Ich suche ein Auto, das 300 km/h schnell ist, womit ich in der Stadt in jede zwei Meter breite Parklücke komme, womit ich meine zwei Wohnzimmerschrankwände transportieren, in den Skiurlaub mit zehn Leuten und Gepäck fahren, natürlich auch durch 50 cm tiefen Schlamm und Matsch fahren kann und auf der Rennstrecke eine perfekte Straßenlage habe, auf dem Feldweg müssen natürlich alle Unebenheiten ausgebügelt werden. Dieses Auto darf maximal 3,5l Benzin verbrauchen und maximal 10.000 Euro kosten...“. Ich denke hier wird klar was gemeint ist.


    Hier noch eine interessante Matrix, die die Problematik noch einmal in Worte fasst:
    
    Du kannst nur zwei Dinge haben. Wähle aus „Geschwindigkeit“, „Zuverlässigkeit“ und „Kosten“.

    Wählst Du „Geschwindigkeit“ und „Zuverlässigkeit“, dann kann es nicht billig sein.
    Wählst Du „Zuverlässigkeit“ und „einen niedrigen Preis“, dann kann es nicht schnell sein
    Wählst Du „Geschwindigkeit“ und „einen niedrigen Preis“, dann kann es nicht zuverlässig sein.
    (Quelle https://sites.google.com/site/eonstorage/zpool_notes)


    Grundsätzliche Vor- und Nachteile der einzelnen Geräte-Spezies:

    Fertiggeräte von Herstellern wie Synology oder QNAP

    Die Devise lautet in der Regel nach dem Einbau der Festplatten und einer elementaren Grundkonfiguration einfach „Einschalten und Loslegen". Durch die Zielgruppe Heimanwender sind hier die mittlerweile alle als Standard empfundenen Funktionen vorhanden, die man zu Hause heutzutage einfach erwartet. Von Mediaservern, die die heimische Musikanlage, den Laptop, das Tablet und das Smartphone mit Musik und Videos versorgen bis hin zu bunten Apps für Tablet und Smartphone, um sich auch von außerhalb jederzeit an dem heimischen Datenbestand zu erfreuen. Durch die perfekte Abstimmung von Hard- und Software findet man hier mitunter eine erstaunliche Kombination von Bedienungskomfort, vielfältigen Möglichkeiten, hohen Übertragungsraten und das Ganze bei einem Stromkonsum, der sich mit kaum einem Selbstbau erreichen lässt.
    Durch dieses Konzept, Hard- und Software zu vereinen, sind diese Geräte allerdings als geschlossenes System zu betrachten. Die Auswahl an Funktionen wird durch den Hersteller vorgegeben und eine Änderung durch den Anwender ist zumeist nicht möglich. Auch sind Grenzen als gegeben zu nehmen, in einem 2-bay NAS wird man niemals mehr als zwei Platten verbauen können, eine Aufrüstung ist nur durch Neukauf eines größeren Gerätes zu realisieren.


    Barebone / Halbfertig-Geräte

    Geräte wie die HP ProLiant Microserver erfreuen sich bei Selbstbauern, die nicht viel Zeit in Komponentenauswahl und Zusammenbau investieren möchten, großer Beliebtheit. Hier bekommt man professionelle Hardware zu erstaunlich günstigen Preisen. Zumeist bereits ausgerüstet mit einer kleinen Festplatte für das Betriebssystem, müssen hier lediglich die Festplatten für die Datenspeicherung und eventuell eine Erweiterung des Arbeitsspeichers gekauft und die Wahl eines passenden Betriebssystems getroffen werden. Konzipiert als Server sind hier auch Features aus dem professionellen Bereich wie ECC-RAM zu finden.

    Diese Geräteklasse bietet allerdings geringe Erweiterungsmöglichkeiten, da die Abmessungen der Komponenten wie Netzteil und Mainboard herstellerspezifisch sind und sich zumeist nicht durch Standard-Komponenten austauschen lassen. Wer mit der Anzahl der zu montierenden Platten zufrieden ist kann hier ein System aufbauen, dass einen guten Mittelweg aus Kosten und Nutzen bietet.

    Von der CPU-Leistung her bekommt man einen soliden Datenspeicher, der allerdings bei geforderten Leistungsmerkmalen wie Online-Transkodierung oder Vollverschlüsselung an seine Grenzen gerät. Auch vom Stromverbrauch liegt man hier in etwa im Mittelfeld.


    Kompletter Selbstbau Stufe 1

    Hier werden Platinen mit Onboard-CPU wie AMD E350, E240 oder Intel ATOMS und dessen Nachfolger nur mit RAM ausgerüstet, in ein passendes Gehäuse montiert und mit Netzteil und Festplatten ergänzt.
    Hier ist die Qual der Wahl bereits erheblich größer; und es gilt die optimale Kombination zu finden. Bei der Softwareausrüstung hat man freie Wahl.

    Von der CPU Leistung her bekommt man einen soliden Datenspeicher, der allerdings bei geforderten Leistungsmerkmalen wie Online-Transkodierung oder Verschlüsselung an seine Grenzen geraten kann.


    Kompletter Selbstbau Stufe 2

    Zusätzlich zur Stufe 1 muss hier die passende CPU / Mainboard / CPU-Kühler Kombination gefunden werden. Wer sich wochenlang durch Produktvergleiche wühlt wird an diesem Projekt seine wahre Freude haben. Auch Empfehlungen sind nicht immer hilfreich, jeder hat seine persönlichen Favoriten und wer auf eine Frage an 5 Leute 7 unterschiedliche Antworten erhält ist nachher nicht unbedingt schlauer, sondern verwirrter als zuvor.


    Recycling vorhandener Komponenten

    Eigentlich erstaunlich, wie selten die Frage im Forum nach dem Verwenden vorhandener Komponenten gestellt wird. Wie viele, eigentlich immer noch sehr leistungsfähige Systeme werden ausgemustert, nur weil das „einzige Betriebssystem auf der ganzen Welt“ in der neuesten Version wieder einmal die Hardwareanforderungen verdoppelt hat und der „alte" Dual-Core mit 4GB RAM zu langsam erscheint.

    Als kleinen Denkanstoß zum Grübeln, mit der winzigen Diskette NAS Distribution „NAS-lite“ lässt sich sogar ein Pentium 1 mit 64MB RAM als kleiner Datenspeicher im Netzwerk verwenden, und das gar nicht mal schlecht, oder gar nicht so langsam wie man es vielleicht erwartet.

    Eines meiner Test Systeme ist ein Pentium 3 mit 500 MHz und 384 MB RAM, mit der Distribution „NAS4Free“ bietet diese kleine System allen Komfort und Funktionen die benötigt werden.

    Viele Nutzer wollen ihr NAS ohnehin nur einschalten, wenn sie zu Hause sind. Spielt es da wirklich eine Rolle, ob der alte Rechner bei Null Anschaffungskosten 70 Watt in diesen 3 Stunden abends verbraucht, verglichen zu einem Neukauf (wo ich jetzt einfach einmal 200-250 Euro Investitionskosten in den Raum stelle) der dann nur 45 Watt verbraucht?

    Der Zahlenbegeisterte User mag jetzt zum Taschenrechner greifen, alle anderen laden sich einfach die kleine Datei für ihr Kalkulationsprogramm herunter.

    So mancher Neukauf, um Energiekosten zu sparen, entpuppt sich da unter dem Strich als unnötige Geldausgabe, wenn man nur den monetären Faktor betrachtet. Den dicken Plasma Fernseher einfach mal ein paar Wochenenden aus lassen und stattdessen einen Kumpel besuchen, schon hat man viel, viel Energie gespart ;-)


    Grundsätzliche pauschale Empfehlungen

    Fertiggeräte:
    Hersteller wie Synology oder QNAP sind die erste Wahl. Hier erhält man solide, durchdachte und funktionsreiche Geräte, die einem bei richtiger Wahl lange Freude bereiten. Anforderungen im Consumerbereich, die im professionellen Feld keine Rolle spielen, werden voll erfüllt; beispielsweise Apps für Smartphones, Mediaserver und Zugriffe von außerhalb.

    Barebone / Halbfertig-Geräte:
    HP ProLiant MicroServer N54L oder größere Geräte, kombiniert mit 4 oder 8 GB RAM.
    Die Wahl des Betriebssystems bestimmt Leistungsumfang und Aufwand bei der Einrichtung.

    Selbstbau:

    Hier ist es schwer eine genaue Kombination zu empfehlen, da jeder Anwender andere Ziele verfolgt oder andere Erwartungen hat. Daher dort einige pauschale Komponenten-Ratschläge: "Selbstbau-NAS - welche Komponenten benötige ich"


    (verfasst von shakky4711)