• Selbstbau-NAS - Welche Komponenten benötige ich?

    Netzteil

    Diese Komponente wird leider viel zu oft mit Geringschätzung betrachtet, und es wird an dieser Stelle oftmals falsch gespart. Wer noch nicht gesehen hat, wie sich ein Netzteil mit lautem Knall und einer Stichflamme aus dem Lüftungsgitter verabschiedet und dabei alle Komponenten wie CPU, RAM, Board und Festplatten mit den Tod gerissen hat, mag ein Netzteil als sekundär betrachten. Ich habe es leider schon erlebt und setze das Kraftwerk des ganzen NAS daher an erste Stelle.
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    Beim Netzteil ist es wirklich sinnvoll ein Produkt von einem Markenhersteller zu wählen und dann dort eine höherwertige Produktlinie. BeQuiet, Enermax, SeaSonic oder Corsair sind hier positiv zu nennen. Wie groß das Vertrauen eines Herstellers zu seinem eigenen Produkt ist, dass kann man mitunter schon an der Garantiezeit erkennen. BeQuiet bietet auf die größeren Modelle der Straight-Power Serie 5 Jahre Garantie.
    Es liegt natürlich nahe, dass im Bereich der Leistungsaufnahme eines NAS von 30-60 Watt ein 200 Watt-Netzteil effektiver arbeitet als ein 500 Watt-Netzteil. Dies stellt sich in der Praxis mittlerweile als Irrglaube heraus, so manches 250 Watt-Netzteil verbrät 5-10 Watt mehr als ein hocheffizientes Markennetzteil, dass die doppelte Leistung erbringen kann.

    Als weiteren Vorteil von größeren Netzteilen ist noch die größere Anzahl von Steckern zu nennen, denn jeder Y-Verteiler ist eine zusätzliche potentielle Fehlerquelle, die man damit ausschließen kann.


    Gehäuse:

    Das erste Entscheidungsmerkmal ist sicher die Anzahl der zu verbauenden Festplatten. Auch sollten Festplatten-Entkoppler vorhanden sein, um störendes Aufschaukeln oder Brummen zu vermeiden. An ein NAS, das im Wohnzimmer seinen Platz findet, werden auch andere ästhetischen Ansprüche gestellt wie an ein Gerät, das in der Kammer / Keller / Dachboden seinen Platz findet.
    Meine persönliche Empfehlung nach der Verwendung etlicher anderer Hersteller ist LianLi; diese Alugehäuse sind durchdacht, funktionell und erfreuen mit hoher Passgenauigkeit, bereits ab Werk mit ordentlichen und leisen Lüftern ausgerüstet und ohne scharfe Kanten, an denen man sich die Finger verletzt.
    Das Netzteil sollte sich bei größeren Gehäusen am Boden montieren lassen, damit die empfindlichen Komponenten nicht noch zusätzlich durch die Abwärme von CPU und Festplatten altern.


    RAM

    Bei einem NAS ist Zuverlässigkeit das A und O. Produkte bekannter Hersteller, die sich an Spezifikationen halten, sind hochgekitzeltem Gaming RAM, der außerhalb jeglicher Spezifikation läuft, generell vorzuziehen. Kingston ValueRAM oder Corsair ValueSelect sind gutmütige Alltagsprodukte auf die man sich verlassen kann, „einstecken und läuft“ ist die Devise.


    Board

    Wie bisher gilt auch hier, dass man mit ein paar Euro mehr in ein Markenprodukt investieren sollte. ASUS ist bei den Consumerboards mein Favorit, auch die angegliederte Firma AsRock bringt haltbare Produkte hervor. Wer sich in Richtung professioneller Speichersysteme bewegt, findet mit SuperMicro einen hervorragenden Anbieter.
    Neben dem CPU-Sockel sollte das Hauptaugenmerk auf einer möglichst großen Anzahl von SATA Anschlüssen liegen. Viele Boards bieten inzwischen 5 oder 6 Steckplätze. Ein eSATA oder USB Anschluss für den Anschluss von externen Datenträgern ist für das Backup mitunter nützlich, wenn man das NAS in seiner Nähe hat. Beim Kellergerät, wo man sein Backup ohnehin über das Netzwerk realisiert, sind externe Anschlüsse verzichtbar.
    Da Grafikfähigkeiten bei einem NAS keine Rolle spielen, kann ein Board mit kleinster Onboard-Grafikarte gewählt werden.

    SATA2 oder SATA3 spielen keine Rolle. Die in den Spezifikationen genannten Geschwindigkeiten sind theoretische Werte, die in der Praxis nicht zum Tragen kommen, da hier andere Elemente den Flaschenhals darstellen. Eine WD Blue-Platte mit IDE-Anschluss hat bei mir per Geschwindigkeitstest 85 MB/Sekunde erbracht, eine SATA2 Platte von Seagate hingegen nur 70 MB/Sekunde.

    Grundsätzlich sollten Festplatten in einem NAS immer direkt per SATA angeschlossen werden. Andere Anschlussmöglichkeiten wie USB sind immer mit einem zusätzlichen Protokollüberhang versehen und sollten nur für Backupzwecke verwendet werden.


    Kabel und Co

    Kleine Ursache und riesig-große Wirkung, so kann man die Effekte schildern, die das 50 Cent SATA-Kabel aus der Mainboard Kiste in einem Raid Array bewirken kann. Wer es schon selber erlebt hat, was eine Platte, oder besser noch zwei Platten bewirken, die sich regelmäßig aus einem Array verabschieden, weiß was ich meine.

    SATA2-Kabel mit Metall-Lasche sind Pflicht. Je nach Entfernung in der Stromkabel verlaufen sind auch extra geschirmte Kabel sinnvoll.


    Festplatten

    Die Anzahl der Hersteller ist hier sehr zurückgegangen, von daher ist die Wahl etwas einfacher geworden. Die Hersteller haben für unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche Produktlinien. Auch hier gilt wieder, wer das billigste Produkt kauft spart an der falschen Stelle. Eine billige WD-Green mag in einem Desktop Sinn machen, für den Einsatz in einem Speichersystem sind diese Platten gänzlich ungeeignet.

    Am besten schneiden bei mir, in der Firma und im Bekanntenkreis WD Platten der gehobenen Linien ab. WD-RE für den professionellen Storagebereich, wo es auf absolute Höchstleistungen bei 5 Jahren Garantie ankommt, WD-RED für das sparsame heimische NAS, wo man sich mit 3 Jahren Garantie zufrieden gibt.

    WD-RED sind definitiv eine gute Wahl. Hier wurde konstruktiv auf Belastungen und Einflüsse geachtet, die gerade in engen heimischen Arrays auftreten. Zugelassen für 24/7 Betrieb und zertifiziert von namhaften NAS-Herstellern, da kann man hier nichts falsch machen.

    (verfasst von shakky4711)