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jger

Homeserver mit GNU/Linux Debian

Bewertung: 2 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,50.
Nachdem ich etwa ein Jahr lang ein Macpower Taurus LAN, welches baugleich zur IcyBox 4220 ist, im Einsatz hatte und damit nie richtig warm geworden bin, reifte in mir der Wunsch nach etwas eigenem, etwas selbst gebautem. Am liebsten irgendwas mit dem wohlklingenden Namen Server, schnell, richtig schön kompliziert zum ewig herumbasteln und natürlich mit dem Energieverbrauch des Taurus-Geräts. Wenn dann ausser dem reinen Netzwerkspeicher noch ein paar Zusatzdienste wie Datenbank- und Webserver dabei rausspringen würden, wäre die Sache perfekt.

Kompliziert und irgendwo das Wort "Server" im Name, kein Problem. Schnell ginge auch, aber dann wird´s mit dem Energieverbrauch eng. Oder man kauft sich etwas energieeffizientes, kann dann allerdings die Geschwindigkeit vergessen... Schwierig!

Um das alles doch unter einen Hut zu bekommen, folgten wochenlange Suchorgien im Internet nach Bauteilen, Erfahrungen, Anleitungen oder sonstigen Hinweisen, doch so richtig fündig wurde ich nicht. Die beste Wahl schien da eines dieser damals neuen Boards mit Chipsatz von nVidia für Intels Atom-Prozessoren zu sein. Als ich mich dafür allerdings nach dem Preis erkundigt habe, wurde mir ganz eng im Kragen. Glücklicherweise erinnert man sich in solchen Situationen gern an die eine oder andere Erfahrung aus jüngeren Jahren und so kam man vom Overclocking zum Underclocking und nach weiteren Tagen Sucherei im Internet zum Undervolting. Damit war der Knoten geplatzt! Plötzlich war klar, welche Hardware zum Einsatz kommen sollte. Wenige Recherchen später stand fest, dass es ein normales Board von AsRock mit sparsamen nVidia-Chipsatz, ein günstiger AMD Sempron-Prozessor und als Systemfestplatte eine für´s Notebook werden wird.

Namentlich benannt wurde folgendes bestellt:
- AsRock ALiveNF7-GLAN
- AMD Sempron LE-1250
- WD Scorpio 160GB 2.5" SATA
- 2GB DDR2-RAM

Einen Gigabit-Netzwerkanschluss hatte das Board schon dabei und der Grafikchipsatz war uninteressant. Blieb nur die Frage, woher man ein effizientes Netzteil bekommt. Bei einem angestrebten Energieverbrauch von unter 30 Watt sieht´s mit dier Energieeffizienz bei den meisten Netzteilen eher mau aus. Glücklicherweise findet man in den unendlichen Weiten des Netzes so manche interessante Lösung und es wurde eine picoPSU mit 120W Ausgangsleistung geordert. Dieses Netzteil besteht nur aus einer winzigen Platine und ein paar kleinen Kondensatoren, die quasi direkt auf dem ATX-Stromstecker sitzen und ist höchst effizient. Versorgt von einem 70 Watt Notebooknetzteil sollte genügend Energie ohne große Verluste bereit stehen.

Damit der ganze Technikkram nicht unmotiviert auf dem Teppich herum liegen muss, wurde aus einer Ecke mein geliebtes, aber von Staub und Zigarettenrauch innerlich total vergilbtes Coolermaster ATC-201 hervorgekramt, zerlegt, in der Spülmaschine gewaschen und anschließend mit der neuen Hardware bestückt. Tip am Rande: Das Gehäuse besteht komplett aus Aluminium. Aluminium wiederum reagiert allergisch auf Spülmaschinentabs/-pulver/-gel(/-gibtsnochwasanderes?). Die Allergie äußert sich mit Beschlag bzw. Korrosion, die man nicht wieder weg bekommt. Mein Kaffeekocher hat das am eigenen Leibe erfahren, daher wurde das Gehäuse nur mit reinem Wasser gewaschen.



Wie auch immer, nach Zusammenbau kam die DVD mit GNU/Linux Debian Lenny ins Laufwerk, ein Basissystem wurde aufgesetzt und anschließend der Energiemesser angestöpselt. Ergebnis: knapp 40 Watt. Viel zuviel, wenn das Gerät rund um die Uhr laufen soll. Also wurde optimiert: per hdparm fährt die Datenplatte (damals noch 500GB) nach einigen Minuten Inaktivität herunter, im BIOS wurden unbenötigte Baugruppen wie Soundchip abgeschalten und diverse Taktfrequenzen herabgesetzt. Zu guter Letzt wurde in stundenlanger Kleinarbeit unter Linux die Versorgungsspannung der CPU herabgesetzt, um dann bei einem kurzem Blick auf den Energiemesser befriedigt zu grunzen: 21 - 22 Watt. *grunz*

Nach diesem Ausbruch männlicher Freude wurden die gewünschten Dienste eingerichtet: Samba für die Netzwerkfreigaben, SSH für den Zugriff auf das System, ohne ständig einen Bildschirm herumschleppen zu müssen, Apache für die Webseiten, an denen man so bastelt und MySQL, weil diverse Webseiten sowas nunmal brauchen. Außerdem läuft ein Wiki (Mindtouch Dekiwiki) als Pseudo-DMS für wichtige Scans in PDF-Form und kleiner Wissensspeicher. Die Datenplatte wurde als /home eingebunden und liegt als physisches Volume in einem LVM. Damit lässt sich der Platz später um weitere Festplatten erweitern, ohne das man mit Unterverzeichnissen etc. hantieren muss.

So lief der kleine eine ganze Weile still und fröhlich vor sich hin, bis sich wieder der Drang zur Bastelei einstellte. Da der Platz auf der Datenplatte sowieso langsam eng wurde, kam zum Austausch eine dieser netten energiesparenderen Ökoplatten von WD zum Einsatz. Diese hatte 3 Mal soviel Speicherplatz und schien für die nächste Zeit zu genügen. Ausserdem wurde bei dieser Gelegenheit gleich noch ein Einbaurahmen für 3 3.5"-Festplatten von LianLi eingebaut, um bei weiteren Aufrüstaktionen nicht ständig das Gehäuse aufschrauben zu müssen. Als netter Nebeneffekt sank der Energieverbrauch durch die neue Platte auch noch um einige wenige Watt.



So schön das System jetzt auch war, konnte man doch noch mehr herausholen. Die beiden ersten Neuerungen betrafen den USB-Laserdrucker und den USB-Scanner. Die stecken jetzt nicht mehr am Desktop-PC, sondern sind per Netzwerk nutzbar. Für den Drucker wird CUPS verwendet, für den Scanner saned und auf den Windows-PCs mit SaneTwain angesteuert.



Wiederum einige Wochen später stand eine neue Aktion an. Das System holt jetzt selbstständig alle Mails von den diversen POP3-Mailpostfächern bei diversen Providern ab, filtert sie mittels Clamav, Spamassassin und Procmail nach Viren, Spam und eigenen Filterregeln und stellt sie per IMAP-Server Dovecot zur Verfügung. Da man natürlich auch im Job mal nach privaten Mails schauen, deshalb aber nicht am Firmenproxy herumschrauben möchte, wurde noch ein Webmailclient (Roundcube) aufgesetzt, mit dem man von außen auf das Postfach zugreifen kann. Natürlich per SSL verschlüsselt, man legt ja Wert auf Vertraulichkeit.



Mittlerweile ist das System um eine 2. Datenplatte erweitert worden, wiederum mit 1.5TB Speicherplatz, allerdings von Samsung. Der große Speicherplatz dient neben dem Speichern von diversen eigenen Dateien vor allem dem Backup der PCs daheim, dem Lagern von Musik, Filmen, Bildern und sonstigen Dateien, die viel Speicher benötigen. Besonders angenehm erweist sich die Speicherung von Filmen, wenn man sie per WD TV Live direkt aus einem Samba-Share auf dem Fernseher schauen kann. Ein Riesenvorteil gegenüber der Zeit ohne Netzwerkspeicher, als man noch DVDs und CDs brennen musste, um damit einen DVD-Player zu füttern.

Damit der ganze Spaß kein Quell von endlicher Freude ist, wird der gesamte Datenbestand natürlich auch gesichert und per Mailbenachrichtigung über Erfolg oder Mißerfolg informiert. Datenbanken, Mailboxen und System werden täglich auf die Datenpartition gesichert, diese wiederum wöchentlich auf ein externes Medium gespiegelt. Damit dies nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt als der geneigte Grunzer unbedingt zu opfern bereit ist, wurde dem System ein USB 3.0 Controller spendiert, an welchem wiederum ein 2-Platten-USB-Gehäuse in ebenfalls 3.0-Ausführung mit zwei 1.5TB-Platten hängt. Wenn darauf nicht gerade gesichert wird, steht es in respektabler Entfernung vom System in einem anderen Zimmer.



Damit endet meine Erzählung über meinen kleinen Netzwerkspeicher. Wer etwas mehr darüber lesen möchte, kann sich unter dem folgenden Link auf meiner Website etwas genauer damit beschäftigen. =)
Link zu themaxer.com

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Aktualisiert: 26.11.2010 um 15:40 von jger

Stichworte: debian, drucker, imap, samba, scanner Stichworte bearbeiten
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Mein NAS im Hausgebrauch

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